Nicole Wrede

Stiesing

Text und Redaktion Mode-Journal

Textauszug:

Dreckige Geschichte
Das Gebiet entlang der Weser zwischen Brill-Kreuzung und Stephani-Brücke kennt man in Bremen als Faulenquartier. Der Name erinnert an die Legende von den Sieben Faulen aus der Feder von Friedrich Wagenfeld. Jedoch hat die Bezeichnung des Viertels nichts mit der Geschichte der vermeintlich faulen sieben Brüder zu tun, die ohne viel Mühe zu Erfolg kommen. Namenspate für den Altstadtausläufer stand die Hauptverkehrsader, die Faulenstraße. Im Mittelalter wurde sie ‚de fuule straat’ genannt, was lediglich den schmutzigen und ungepflasterten Zustand der Straße beschrieb.

Quirlige 30er Jahre
Natürlich wurde die Faulenstraße später ordentlich gepflastert – zumal sie bald zur Hauptstraße in die Altstadt aus Richtung Westen und Häfen avancierte. In den 1930er Jahren war das Quartier eines der lebhaftesten der Stadt – ein Kleine-Leute-Viertel mit zahllosen Geschäften und eng an eng stehenden Häusern. Symbolfigur für diese Blütezeit ist der jüdische Kaufmann Julius Bamberger. Er eröffnete Ende 1929 das neunstöckige Kaufhaus am Ende der Faulenstraße. Es wartete gleich mit zwei Premieren auf: Als erstes Hochhaus der Stadt und mit der ersten Rolltreppe Bremens ausgestattet, nannten die Bremer es bald liebevoll ‚Bambüddel’. Im August 1944 dann versank das Viertel im Bombenhagel – einzig der Stephani-Kirchturm ragte weiter trotzig aus den Trümmern.